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Mäßigung: Meden agan – oder die Arbeit gegen sich selbst
Lesedauer 3 MinutenMäßigung: Meden agan oder die Arbeit gegen sich selbst „Halte Maß“ – das klingt nach dem Rat dieses Onkels, der selbst keines hält. Nach Mäßigung als bequemer Tugend, die man sich leisten kann, wenn die Leidenschaften ohnehin schon erschöpft sind. Aber darum geht es nicht. Solon, einer der sieben Weisen Griechenlands, begegnete der Inschrift im Tempel des Apollon zu Delphi: meden agan – nichts zu viel. Er machte daraus keine Privatmaxime. Er machte daraus Politik. Seine Reformen in Athen zielten auf eine Gesellschaft, die zwischen Arm und Reich zerrissen war, weil beide Seiten zur Maßlosigkeit neigten. Die Reichen häuften an, die Armen verarmten weiter, das Gleichgewicht kippte. Auf…
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Jürgen Habermas – der Philosoph des besseren Arguments
Lesedauer 3 MinutenJürgen Habermas und der Diskurs: Der Philosoph des besseren Arguments Die Nachricht von Jürgen Habermas’ Tod wirkt wie ein jäher Bruch. Mit ihm ist nicht nur ein Philosoph gegangen, sondern wohl der geduldigste und hartnäckigste Verteidiger der modernen Idee von Vernunft, Demokratie und Menschenrechten.Habermas hat nie aufgehört, an ein Projekt der Aufklärung zu glauben, das viele längst aufgegeben haben – vielleicht, weil seine Philosophie eine Haltung voraussetzt, die heute fast schon altmodisch wirkt: das unerschütterliche Vertrauen in das Gespräch. Eine kurze Einführung in Habermas‘ Idee von Diskurs und Ethik. Habermas und der Diskurs: Vom Gewissen zum Gespräch Habermas steht in einer kantischen Tradition. Aber er verschiebt etwas Entscheidendes.…
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Eine Ethik des Leidens: Gegen die Tyrannei des Glücks
Lesedauer 3 MinutenGegen die Tyrannei des Glücks: Eine Ethik des Leidens Unsere Zeit hat sich dem Glück verschrieben und den Schmerz zur Anomalie erklärt. Dabei gehörte das Leiden für viele Denker zur menschlichen Würde. Für Schopenhauer war der Schmerz der positive, das Glück nur der negative und flüchtige Pol des Lebens und das Leiden somit der eigentliche Antrieb der Welt. Für Epiktet war es eine Frage der inneren Haltung, für Nietzsche der Boden, auf dem Tiefe überhaupt erst wächst. Für Simone Weil war es die wohl strengste Schule der Aufmerksamkeit. Diese Einsichten sind uns heute jedoch fremd geworden. Das Leiden passt nicht mehr in unsere moderne Erzählung vom machbaren, perfekten…
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Über Sinn – Und andere Dinge, die man dringend braucht
Lesedauer 2 MinutenSinn ist keine feste Größe, kein Schatz, den man irgendwann einfach hebt. Er lebt in der Bewegung, in der Suche, in den immer neuen Versuchen, die Welt zu ordnen. Vielleicht liegt seine Bedeutung gerade darin, dass er sich nie endgültig festlegen lässt. Und weil er so beweglich ist, wirkt er zerbrechlich. Sinn scheint daher oft bedroht. Er wird vom Alltag verschluckt, vom Zweifel zernagt und von Routinen überlagert. Manchmal aber auch, weil man merkt, dass er nicht immer hält, was er verspricht. Und so bleibt er das Einzige, was man sofort und unbedingt haben muss, sobald er verschwindet – und das Erste, was man vergisst, sobald er auftaucht.…
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Über Glück – Und andere Dinge, die man gut behaupten kann
Lesedauer 2 MinutenÜber Glück – Und andere Dinge, die man gut behaupten kann Was ist Glück? Eine Sammlung gut gemeinter Antworten auf eine falsche Frage Glück ist, was man nicht hat, solange man es sucht. Oder anders: Glück ist, wenn man vergisst, dass man es wollte. Glück ist, wenn es nicht weh tut. Oder wenn es nur kurz weh tut. Oder wenn man nicht weiß, dass es weh tut und sich später sogar dafür bedankt. Die alten Denker sagten: Glück sei innere Ruhe. Die neuen sagen: Es ist ein Kontoauszug, auf dem mehr steht als beim Nachbarn. Manche sagen auch: Es ist ein Morgen ohne Termine. Oder ein schöner Abend…
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„Liebe Dich selbst“- Die Ideologie der Selbstfürsorge
Lesedauer 4 Minuten„Liebe Dich selbst.“ – Die Ideologie der Selbstfürsorge oder der Tyrann im Spiegel Es beginnt meist ganz harmlos. Ein Spruch auf dem Teebeutel-Fähnchen, ein Instagram-Post im Abendlicht oder ein gut gemeinter Ratschlag unter Freunden nach dem dritten Glas Wein: „Du musst Dich erst selbst lieben, bevor Du andere lieben kannst.“ Klingt wie warmer Kakao, Wollsocken und innerem Frieden. Wie die ultimative Wahrheit, gegen die sich kaum etwas einwenden lässt. Wer will schon gegen Liebe sein? Doch je öfter dieser Satz durch unsere Timelines und Wohnzimmer geistert, desto schaler wird der Nachgeschmack. Denn hinter der weichen Verpackung der Achtsamkeitsindustrie verbirgt sich ein harter Kern. Was als freundliche Einladung zur…
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„Du musst nur wollen“ – Der Mythos vom Willen in Zeiten der Erschöpfung
Lesedauer 5 Minuten„Du musst nur wollen“ – Der Mythos vom Willen in Zeiten der Erschöpfung Er erinnerte sich noch gut an diesen einen Nachmittag. Er war etwa zehn Jahre alt. Damals, auf dem Bolzplatz. Er hatte wieder einmal danebengeschossen, wieder einmal den Ball nicht richtig getroffen. Einige rollten mit den Augen. Und sein Vater rief von der Seite: „Auf gehts, Du musst es nur wollen!“. Damals klang es wie ein Ansporn. Heute aber weiß er: Es war ein Urteil. Denn nicht der Fuß war das Problem. Nicht die Technik, nicht die Kraft. Sondern der Glaube, dass das Innere über das Äußere herrscht. Dieser Satz auf dem Bolzplatz war die erste…
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Vergnügen
Lesedauer 2 Minuten„Vergnügen. Es scheint so leicht, so harmlos, so ungezwungen und unverbindlich. Und doch ist da etwas Fauliges an dieser Leichtigkeit. Es ist wie ein billiger Zaubertrick, der uns ablenkt, uns betäubt, während die Zeit leise verrinnt. Sieh doch, wie schnell das Lachen verfliegt, sieh, wie schnell die Vergnügung vorüber ist, als hätte sie nie existiert. Ein kurzer Moment der Freude, der nichts hinterlässt als die Leere, die sie eigentlich verdecken wollte. Ein Hohlraum, den wir unweigerlich füllen müssen – erneut. Und erneut. Und erneut und so ins Unendliche. Sieh Dich doch einmal um! Das Vergnügen hat sich ausgebreitet wie Gestank. Dabei verspricht es Sinn zu stiften. Aber das…
























