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MASKENMANIFEST: Die Grammatik des Gesichts
Lesedauer 3 MinutenMASKENMANIFEST: Die Grammatik des Gesichts – Zwischen Maske und Ich oder: wie man sich zeigt, indem man verschwindet Was wir Gesicht nennen, ist letztlich nur eine Erzählung. Schau in den Spiegel und übe Dein Lächeln. Es ist nicht Deines – es gehört den anderen. Manche sagen ja, das Gesicht sei das Fenster zur Seele. In Wirklichkeit aber ist es Grammatik aus Fleisch. Sprache, die sich in Haut kleidet. Aber das Gesicht ist nur die Oberfläche – die eigentliche Maske liegt dahinter. Sie ist die Struktur, die das Ich formt – und bestimmt, was über Dich sagbar ist. Nicht Du trägst die Maske – die Maske trägt Dich. Sie…
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Mord an Iryna Zarutska: Was hat Iryna Zarutska getötet?
Lesedauer 5 MinutenMord an Iryna Zarutska: Was hat Iryna Zarutska getötet? Manchmal sind es nur wenige Sekunden. Wie der Mord an Iryna Zarutska – eine junge Frau, 23 Jahre alt – in einem Zug in Charlotte, North Carolina. Sie sitzt entspannt, Kopfhörer in den Ohren, vertieft in ihr Smartphone, nichts ahnend von dem Grauen, das sich hinter ihr anbahnt. Plötzlich steht ein Mann auf – Decarlos Brown Jr., 34, mit einer Geschichte von Vorstrafen –, zieht ein Messer und sticht dreimal zu. Sie sackt zusammen, weinend, blutend, auf einem schäbigen Sitz. Um sie herum schockierte Fahrgäste, selbst völlig überfordert von dieser plötzlichen, rohen Gewalt. Ein Leben endet, bevor irgendjemand begreifen…
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Sündenfall: Eva, Eden und die Illusion der Freiheit
Lesedauer 4 MinutenDie Geburt der Ordnung aus dem Geist des Ungehorsams – und warum der Sündenfall bis heute unser Denken von Freiheit bestimmt Der Sündenfall erzählt von einem Anfang – und zugleich von einer Verstrickung. Eva, die erste Frau, greift nach der Frucht vom Baum der Erkenntnis, isst davon und gibt sie an Adam weiter. Mit diesem einen Akt, so heißt es, tritt das Menschengeschlecht aus der Unschuld heraus und wird erkenntnisfähig. Gut und Böse sind fortan unterschieden, Scham und Schuld treten in die Welt. Oft liest man die Geschichte aber auch als einen Mythos der Befreiung. Denn ohne Evas Mut zum Ungehorsam, so die Deutung, wären wir heute nicht…
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Sprache: Die Welt ist ein Wort
Lesedauer 4 MinutenSprache: Die Welt ist ein Wort Stell Dir vor, Du erwachst in einer Welt ohne Sprache. Keine Worte, keine Sätze, keine Geschichten. Wie würdest Du diese Welt verstehen? Ohne Sprache bleibt alles um uns herum ein wildes Durcheinander von Eindrücken und Empfindungen. Du sieht, hörst, riechst, fühlst – aber was siehst Du? Da ist kein „Baum“, kein „Himmel“, kein „Ich“. Alles bleibt stumm, formlos, zusammenhanglos. Wer ist dieser Mensch, der keinen Namen hat? Was soll er von sich denken – ohne ein „Denken“ zu haben, das sich benennen kann? Was bleibt, wenn alles Erleben formlos ist, jedes Gefühl namenlos, jede Wahrnehmung nur ein dahinschießender Strom von Eindrücken? Er…
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Ich will frei sein – sagt das Ich.
Lesedauer 3 MinutenIch will frei sein – sagt das Ich. „Frei sein. Ich sein!“ Ich hab diese Worte erst kürzlich in einem Facebook-Kommentar gelesen. Ich musste ein wenig schmunzeln, denn da steckt ja doch eine ordentliche Portion Romantik und Nostalgie drin. Das „freie Ich“, das ganz es selbst sein darf. Das klingt fast wie das Glaubensbekenntnis einer ganzen Epoche, die für Freiheit, Autonomie und Selbstverwirklichung steht. Dabei sind gerade diese beiden Konzepte in der letzten Zeit mächtig unter Druck geraten.Freiheit lässt sich in der physikalischen Welt nicht finden. Empirisch ist sie nicht nachweisbar – weder im Kosmos der Teilchen noch in den neuronalen Bahnen unseres Gehirns. Dort herrscht ganz nüchtern…
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Das „Ich“ als Ort: Poststrukturalismus und das Ende des Subjekts
Lesedauer 4 MinutenDas „Ich“ als Ort: Poststrukturalismus und das Ende des Subjekts Bei Descartes beginnt alles mit dem Denkenden „Ich“ – jener unbezweifelbaren Gewissheit, aus der alles andere abgeleitet wird. Bei Kant wird das „Ich“ zur moralischen Instanz, die sich selbst als Zweck erkennt und nach dem kategorischen Imperativ handelt. Kierkegaard radikalisiert das „Ich“ existenziell – als Aufgabe, als Entscheidung, als Ringen mit sich selbst vor dem Abgrund der Freiheit. Husserl sah im „Ich“ die Quelle den Ursprung für Sinngebung. Kurzum: In der klassischen Philosophie galt das „Ich“ als Ursprung von Sinn und Weltdeutung. Der Poststrukturalismus stellt das Bild vom „Ich„, vom „Subjekt“ und von einem „Selbst„ radikal infrage: Genauer…
















