Über: „Finger im Dasein …“
>Mein Leben ist bis zum Äußersten gebracht; es ekelt mich des Daseins, welches unschmackhaft ist, ohne Salz und Sinn. Man steckt den Finger in die Erde, um zu riechen, in welch einem Lande man ist, ich stecke den Finger ins Dasein – es riecht nach nichts. Wo bin ich? Was heißt denn das, die Welt? Wie bin ich in die Welt hineingekommen; warum hat man mich nicht vorher gefragt, warum hat man mich nicht bekannt gemacht mit Sitten und Gewohnheiten, sondern mich hineingesteckt in Reih und Glied als wäre ich gekauft von einem Menschenhändler? Wie bin ich Teilhaber geworden in dem großen Unternehmen, das man Wirklichkeit nennt? Alles, was in meinem Wesen enthalten ist, schreit auf Widerspruch zu sich selbst.«
Søren Kierkegaard
Über dieses Zitat:
Manchmal stecken wir sprichwörtlich den Finger in die Erde, um herauszufinden, wo wir sind, ein instinktiver und ursprünglicher Akt, um uns zu orientieren. Søren Kierkegaard dreht dieses Bild ins Abstrakte. Er steckt den Finger ins Dasein selbst und es riecht nach nichts. Keine Würze. Kein Sinn. Nur Leere.
Was bleibt, ist eine bohrende Frage. Wo bin ich gelandet? Warum bin ich hier? Wer hat entschieden, dass ich Teil dieses gewaltigen Projekts namens Wirklichkeit sein soll? Kierkegaard macht deutlich, dass das Leben uns nicht erklärt wird, bevor wir hineingeworfen werden. Wir finden uns plötzlich in einer Welt voller Regeln, Konventionen und Erwartungen wieder und müssen selbst herausfinden, was das ganze soll und was es bedeutet, darin zu leben.
Diese „Geruchslosigkeit“ des Daseins ist weniger Verlust als Möglichkeit. Sie ist ein Raum für eigene Entdeckungen. Möglichkeit und Unbestimmtheit gehen Hand in Hand, aufregend, manchmal aber zugleich auch beängstigend. Genau hier setzt dieser Blog an. Wir wollen den Finger ins Dasein stecken und untersuchen, was zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren liegt. Zwischen dem, was wir wissen können, und dem, was ewig ein Rätsel bleibt.
Hier geht es um Fragen, die sich zwischen Philosophie, Kulturwissenschaft, Sprache, Erkenntnistheorie und dem alltäglichen menschlichen Miteinander bewegen. Mal ernst, mal spielerisch, mal tiefer. Aber immer mit dem Ziel, der Welt ein Stück näherzukommen und sie vielleicht mit neuen Augen zu sehen.
Externe Links:
https://www.deutschlandfunk.de/ich-tanze-nicht-100.html
YouTube – Sören Kierkegaard – Freiheit ohne Grenzen
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