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Ökonomie und Ideologie – oder wie Theorien die Welt formen
Lesedauer 4 MinutenÖkonomie und Ideologie – oder wie Theorien die Welt formen Verfolgt man die aktuellen Debatten um Haushaltspolitik und Staatsfinanzierung, kommt einem das Grausen. In jeder zweiten Sendung tritt ein Institutsökonom auf, der seine ideologische Auslegung ökonomischer Annahmen mit der Autorität akademischer Expertise vorträgt. Vermeintlich objektiv, vermeintlich wissenschaftlich. Man soll glauben, hier spreche die Vernunft. Tatsächlich sprechen Interessen. Michael Hüther vom IW Köln steht den Arbeitgebern nahe. Lars Feld vom Walter-Eucken-Institut vertritt wirtschaftsliberale Positionen. Hans-Werner Sinn — der als einziger wenigstens auch aussieht wie ein Ökonom — wurde bekannt durch seine Stellungnahmen zur Eurokrise und ist Vertreter des liberalen Monetarismus. Achim Truger wiederum neigt zur Modern Monetary Theory und…
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Politische Rhetorik: Weniger Ethos, weniger Logos dafür jede Menge Pathos
Lesedauer 3 MinutenPolitik als Endlos-Performance: Wo früher Argumente zählten, regieren heute Affekt und Inszenierung. Ein Abgesang auf das Logos in Zeiten der digitalen Dauererregung. Wäre Aristoteles heute ein Berater für politische Rhetorik, würde er möglicherweise verzweifeln oder zynisch werden. In seiner Rhetorik entwarf er einst eine Architektur der Überzeugung, die auf einer Balance beruhte. Das Ethos (der Charakter und die Glaubwürdigkeit des Redners), das Pathos (die emotionale Ansprache) und das Logos (das vernunftgeleitete Argument). Es war die Idee einer harmonischen Dreifaltigkeit, in der das Gefühl zwar den Weg bahnt, der Verstand aber das Ziel definiert. Blickt man jedoch auf die politische Landschaft der Gegenwart, gleicht diese Architektur eher einer Ruine.…
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Naturzustand: Thomas Hobbes vs. Pjotr Kropotkin
Lesedauer 8 MinutenThomas Hobbes vs. Pjotr Kropotkin: Duell über den „Naturzustand“ des Menschen Haben Sie sich schonmal gefragt, wie menschliches Miteinander ohne den Schutz unseres Rechtsstaats oder gar ohne jegliche staatliche Ordnung aussehen würde? Wie wäre es, in Gemeinschaften zu leben, die nicht von Gesetzen und Rechtsordnungen eines Staates geregelt werden? Könnte unser Leben mehr einem Überlebenskampf ähneln, wo das Recht des Stärkeren dominiert, oder stünde eher gegenseitige Unterstützung im Vordergrund? Wären Konkurrenz oder Kooperation die treibenden Kräfte unseres Miteinanders? Solche Überlegungen zur „wahren Natur“ des Menschen haben eine lange philosophische Tradition. Im Zentrum dieser Überlegungen steht der sogenannte „Naturzustand“ des Menschen und damit verbundene Menschenbilder. Der Naturzustand ist ein hypothetischer…










