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Teufelsrad: Ein Schelm, wer hinschaut
Lesedauer 4 MinutenÜber das Teufelsrad auf dem Oktoberfest, virale Videos und die überraschende Entdeckung menschlicher Triebe. Irgendwann vor über hundert Jahren muss ein Mensch eine bemerkenswerte Idee gehabt haben. Man könnte doch junge Frauen in Dirndln auf eine große Holzscheibe setzen, diese immer schneller drehen lassen und dabei zusehen, wie die Damen verzweifelt versuchen, ihre Haltung zu bewahren. Andere Menschen erfanden in dieser Zeit das Automobil, entwickelten die Luftfahrt oder beschäftigten sich mit der Elektrizität. Unser Mann hatte andere Prioritäten. Und so entstand das Teufelsrad. Natürlich wissen wir nicht, was der Erfinder tatsächlich im Sinn hatte. Vielleicht interessierte ihn ausschließlich die Fliehkraft. Man muss sich das Ganze einmal genauer ansehen.…
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Gleitende Brotzeit: Jeder für sich. Schon beim Frühstück.
Lesedauer 5 MinutenGleitende Brotzeit: Jeder für sich. Schon beim Frühstück. Meine Tochter besucht einen katholischen Kindergarten. Früher haben die Kinder dort gemeinsam gefrühstückt. Vor einiger Zeit wurde das pädagogische Konzept geändert, und seither entscheiden die Kinder selbst, wann sie essen möchten. Es gibt dafür viele Begriffe. Den besten finde ich „gleitende Brotzeit“. Gemeint ist damit ein offene Frühstückszeit. Sie soll die Selbstständigkeit fördern, die Wahrnehmung eigener Bedürfnisse stärken und dem individuellen Rhythmus des Kindes gerecht werden. Man muss schon sagen, das alles klingt nach Fortschritt. Schließlich kann es kaum früh genug damit losgehen, dass jeder macht, was er will. Ich denke allerdings, die Sache hat einen ganz entscheidenden Haken. Denn…
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Die Welt hat nie etwas versprochen: Die Biografie eines Missverständnisses
Lesedauer 3 MinutenDie Welt hat nie etwas versprochen: Die Biografie eines Missverständnisses Der Mensch hat ein Problem. Er braucht Ordnung. Nicht nur, um sich in der Welt zurechtzufinden, sondern um sich ihr nicht vollständig ausgeliefert zu fühlen. Er braucht Stabilität, einen Zusammenhang, etwas, woran er sich halten kann. Eine Welt, in der jederzeit alles möglich ist, wäre für ihn kaum auszuhalten. Also schafft er sich Strukturen, die ihm das Gefühl geben, sein Leben im Griff zu haben. Das tut er in zwei Richtungen. Nach rückwärts braucht er ein stabiles Ich. Eine Identität, die ihm sagt, wer er ist, woher er kommt und weshalb er so geworden ist, wie er heute…
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Superintelligenz: Die Sintflut war kein Rechenfehler
Lesedauer 5 MinutenÜber Superintelligenz, Thanos und die Grenzen menschlicher Moral Nehmen wir an, es gäbe eine Maschine, die klüger ist als wir. Nicht einfach klüger, sehr viel klüger. Diese Maschine bekommt in einer sich zuspitzenden Krise die Aufgabe, die Menschheit zu retten. Was aber wäre, wenn sie uns etwas sagen müsste, das wir gar nicht hören wollen. Etwa, dass die Menschheit auf Dauer nur zu retten ist, wenn weniger Menschen auf der Erde leben. Einen Rechenfehler könnten wir ihr kaum nachweisen, schon deshalb nicht, weil der Gedanke, wenn es denn einer ist, in einem Zeichenuniversum gedacht wurde, das um ein Vielfaches ausdifferenzierter ist als die menschliche Semantik. Eine Sprache voller…
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Das Loch an sich – Eine Untersuchung ohne Substanz
Lesedauer 5 MinutenEin Loch besteht aus nichts. Es kann tief sein, breit, gefährlich und teuer. Manche werden sogar bewacht. Das ist für etwas, das aus nichts besteht, beachtlich. Überhaupt ist das Loch ein merkwürdiger Gegenstand. Man kann es sehen, vermessen, fotografieren und einzäunen. Man kann hineinfallen. Man kann darin verschwinden. Man kann es graben, vergrößern, verkleinern und wieder zuschütten. Oder man kann es stopfen. Das klingt allerdings schon irgendwie nach Verwaltung. Nur anfassen kann man es nicht. Man fasst immer nur seinen Rand an. Der Rand des Schlaglochs ist Asphalt. Der Rand des Zahnlochs ist Zahn. Der Rand der Socke ist Wolle. Das Loch selbst bringt nichts mit. Es besitzt…
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Gieriges Fleisch
Lesedauer < 1 MinuteZellen binden sich. Zellen lösen sich.Sie fressen. Sie werden gefressen.Sie bauen auf, was zerfällt.Sie ersetzen, was verschwindet.Stillstand gibt es nicht. Ständige Bewegung unter der Haut, das Blut im Kreislauf,Reparaturen im Verborgenen, ohne Pause, ohne Sinn.Ein unaufhörliches Arbeiten an der eigenen Fortsetzung. Der Körper will. Und er will nicht morgen – er will jetzt.Er will essen, er will berührt werden, er will aufnehmen, umschließen, verschlingen.Ein Organismus, der sich erhalten muss, der sich reproduzieren will,der überall Reize findet, und alles wird zum Reiz. Bilder. Gerüche. Formen. Wärme. Essbares Fleisch. Begehrbares Fleisch. Kein Unterschied.Lust gegenüber allem, was genährt werden kann. Und alles kann genährt werden.Das ständige Verlangen. Der Hunger, der…
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Von Autor/-in unbekannt - Diese Datei ist ein Ausschnitt aus einer anderen Datei, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37027143Sartre und die Freiheit: Warum seine beste Idee nicht funktioniert
Lesedauer 4 MinutenSartre und die Freiheit: Warum seine beste Idee nicht funktioniert Sartre hat vieles geschrieben, das sich lohnt. Aber fast alles geht auf eines zurück: die Freiheit. Und wer sie so radikal denkt wie Sartre, landet irgendwann bei einem Satz, den man nicht so leicht wegsteckt: Selbst der Sklave, sagt er, ist frei. Man muss das kurz sacken lassen. Denn Sartre meint das ernst. Der Sklave ist in seinen Handlungen eingeschränkt, soweit so klar — aber frei darin, wie er sich zu seiner Lage verhält. Er kann sie hinnehmen, ablehnen, dagegen aufbegehren. Ketten bestimmen, was er tun kann. Was er darüber denkt, bestimmen sie nicht. Das ist gleichzeitig das…
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Sartre und der Kellner: Wenn Authentizität zur Rolle wird
Lesedauer 4 MinutenSartre und der Kellner: Wenn Authentizität zur Rolle wird Im letzten Text ging es um Sartre und das Nichts — darum, was in der Lücke passiert, die wir mit unseren Handys zuschütten. Diesmal geht es um das Gegenteil. Nicht um die Leere, sondern um jemanden, der zu voll ist. Und zwar von sich selbst. Es gibt diese eine Szene bei Sartre, die viele kennen. Es geht um einen Kellner in einem Pariser Café, der seine Arbeit ein bisschen zu gut macht. Seine Schritte sind etwas zu lebhaft, seine Verbeugung etwas zu gewissenhaft, die Bestellung nimmt er auf, als hinge sein Leben davon ab. Und dann die Sache mit…




















