Philosophie

Dinge

Lesedauer 2 Minuten

Es sind die Dinge, die krank machen.
Nicht die Abwesenheit, nicht der Hunger, nicht das Nichts,
sondern das Übermaß.

Dinge wachsen wie Pilze aus dem Boden.
Sie wuchern. Sie versprechen Erfüllung, nähren aber nur das Verlangen.

Jedes Ding flüstert: „Ich bin das, was Dir fehlt“
Und jedes Mal, wenn Du glaubst, es gefunden zu haben, wird das Loch in Dir größer.

Wir leben in einer Welt aus Versprechen.
Alles glänzt. Alles ruft.
Aber nichts antwortet.
Dinge kennen keine Antwort,
sie kennen nur Besitz.

Menschen bauen ihre Identität aus Objekten.
Sie tragen Marken wie Totems,
füllen ihre Wohnungen mit Symbolen,
ihre Leere mit Lautstärke.
Und irgendwann beginnt das große Zerfallen:
Chaos, Groll, Streit, Sorgen, Depression.
Ein stiller Aufstand der Dinge gegen ihre Besitzer.

Dabei wirkt das eigentliche Gift schon früher.
Wir verkaufen unsere Zeit, unsere Kraft, unser Leben,
um Dinge zu kaufen, die uns nicht brauchen.
Wir nennen es Arbeit, nennen es Pflicht, nennen es Sinn. In Wahrheit ist es der Handel mit uns selbst.
Jeder Lohn ist ein Stück Seele,
das wir gegen Ware tauschen.
Und am Ende sitzen wir müde zwischen all dem,
was wir uns erkämpft haben
und spüren nur den Preis, nicht den Wert.

Und die Dinge sind nicht stumm.
Sie reden unaufhörlich.
Sie zischen, klicken, leuchten, vibrieren.
Sie rufen Dich, auch wenn Du sie nicht brauchst.
Du denkst, Du besitzt sie,
aber sie besitzen Dich,
in jeder Bewegung, jedem Gedanken,
in jedem Wunsch, der nicht Deiner war.

Es braucht Dinge, um zu leben.
Aber wir haben zu viele, um zu atmen.
Zwischen Notwendigem und Überflüssigem
hat sich eine Welt gestaut,
die sich nur durch Verkauf am Leben hält.

Darum produziert der Mensch weiter:
immer neue Dinge, immer neue Krankheiten.
Er nennt es Fortschritt.
Er nennt es Komfort.
Er nennt es Wohlstand.
Er nennt es Glück.

Die Dinge sind das Fieber.
Wir sind die Wirte.
Aber niemand misst die Temperatur.



Externe Links:

University of Hawai: What Price, the Soul?: Examining Consumerism. Through Plato, Aristotle and the
Stoics

Colin Campbell: WHAT IS WRONG WITH CONSUMERISM? AN ASSESSMENT OF SOME COMMON CRITICISMS

Interne Links:


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